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Der Turm auf der Insel: Geschichten und Legenden

Torre Caetani

Auf der Tiberinsel, in Richtung des jüdischen Viertels, befindet sich ein mittelalterlicher Turm, der zur Bewachung des alten Pons Fabricius (auch Ponte dei Quattro Capi genannt) errichtet wurde.

Aufgrund seiner strategischen Lage war der Turm umkämpft und wechselte zwischen den mächtigsten römischen Adelsfamilien den Besitzer. Er wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert von den Pierleoni erbaut, gehörte später den Savelli und ab dem 14. Jahrhundert den Caetani, von denen er seinen heutigen Namen hat.

Der aus Ziegelsteinen erbaute Turm bewahrt drei Reihen alter Fenster und einen Teil der Marmorverkleidungen und ist das einzige Überbleibsel eines Gebäudekomplexes, der im Laufe von vier Jahrhunderten errichtet wurde. Im Laufe der Zeit diente er als Festung, Zufluchtsort und prächtige Residenz. Um dem Gegenpapst Clemens III. zu entkommen, ließen sich zunächst Papst Viktor III. und die berühmte Mathilde von Canossa (deren Grabmal in der Petersbasilika von Gian Lorenzo Bernini und seinem Schüler Stefano Speranza geschaffen wurde) und später Papst Urban II. im Turm nieder.

Im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude von den Caetani aufgrund der häufigen Überschwemmungen des Tiber aufgegeben und im 17. Jahrhundert dem Kloster der Franziskaner-Minoriten angegliedert; die gesamte Anlage, bekannt unter dem Namen „Lazzaretto brutto“, wurde während der Pest von 1656 der Krankenpflege gewidmet.

Er ist auch als „Torre della Pulzella“ (Turm der Jungfrau) bekannt, wegen des kleinen weiblichen Marmorkopfes, der in das Mauerwerk eingelassen ist. Der Legende nach soll das bezaubernde, gemeißelte Gesicht eine junge Adlige aus dem Jahr 1350 darstellen, die in den Turm gesperrt wurde, weil sie sich geweigert hatte, einen von ihrer Familie ausgewählten Adligen zu heiraten, und vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten aus dem Krieg wartete. Die Skulptur stammt tatsächlich aus der Römerzeit, doch mit ihrem „steinernen“ Blick, der auf die Brücke gerichtet ist, scheint sie die Passanten herauszufordern, die Identität zu entdecken, die sich hinter dem rätselhaften, von der Zeit zerfressenen Gesicht verbirgt.

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